Gleichstellung und Diversität
Gleichstellung in der Schule spielt eine entscheidende Rolle für eine gerechte und diverse Bildungsumgebung. Sie fördert einerseits die Chancengleichheit und das Selbstwertgefühl aller Schülerinnen und Schüler und trägt andererseits zur Entwicklung eines respektvollen und toleranten Gesellschaftsverständnisses bei.
Durch die Förderung von Gleichstellung werden Stereotypen und Diskriminierung bekämpft, was letztendlich zu einer vielfältigen und harmonischen Lerngemeinschaft führt. Dies spielt auch bei eEducation eine wichtige Rolle. Durch den Einsatz von digitalen Medien können Lehrkräfte Schülerinnen und Schüler besser unterstützen und individuelle Lernwege ermöglichen. Dabei ist es entscheidend, dass Gleichstellung gewährleistet wird, indem Zugang und Nutzung digitaler Ressourcen für alle Schülerinnen und Schüler gleichermaßen ermöglicht werden.
Die Entwicklung von klaren Leitlinien und Richtlinien für die digitale Bildung, die Aspekte der Gleichstellung berücksichtigen stellen sicher, dass dieser Forderung, die im Grundsatzerlass „Reflexive Geschlechterpädagogik und Gleichstellung“ bereits seit 2018 schriftlich festgehalten wurde, entsprechend nachgekommen wird.
Begriffsdefinitionen
Gleichbehandlung
Verankert im Bundes-Gleichbehandlungsgesetz
„Die direkte oder indirekte Diskriminierung von Personen ohne Unterschied des Geschlechts, der ethnischen Zugehörigkeit, Religion oder Weltanschauung, des Alters oder der sexuellen Orientierung“ (B-GBG, 1993)
Alle Personen werden ohne Diskriminierung gleich behandelt, unabhängig von Unterschieden wie Geschlecht, Herkunft oder Religion.
Gleichstellung
Verankert im Bundes-Verfassungsgesetz
tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung („de facto“) aktive Maßnahmen zur Gleichstellung (rechtlich und organisatorisch)
Maßnahmen und Bedingungen werden geschaffen, um gleiche Chancen und Rechte für alle zu gewährleisten, insbesondere für benachteiligte Gruppen.
Gleichberechtigung
Verankert im Bundes-Verfassungsgesetz
…keine Unterscheidung in den formalen Rechten in einem Rechtssystem („de jure“)
Alle Menschen haben die gleichen Rechte und Pflichten, besonders in rechtlicher und sozialer Hinsicht, unabhängig von Geschlecht oder anderen Merkmalen (Menschenrechte)
Diversität
… bedeutet Breite, Vielfalt.
Sie bezeichnet die Vielfalt von Merkmalen, Eigenschaften und Unterschieden innerhalb einer Gruppe oder Gemeinschaft. Diese Merkmale können ethnische Herkunft, Geschlecht, Alter, sexuelle Orientierung, Religion, Fähigkeiten und vieles mehr umfassen. Diversität fördert Toleranz, Respekt und die Anerkennung unterschiedlicher Perspektiven und Erfahrungen.
Gleichbehandlung und Gleichstellung im Lehrplan: Verankert in allen Schularten
In allen Schularten gewinnen Gleichbehandlung und Gleichstellung zunehmend an Bedeutung. Die aktuellen Lehrpläne verankern diese Werte fest im Bildungsauftrag und stellen sicher, dass Schüler_innen frühzeitig für Vielfalt, Chancengerechtigkeit und respektvolles Miteinander sensibilisiert werden. Im folgenden Beitrag schaffen wir einen Überblick darüber, wie diese Themen in den verschiedenen Bildungsgängen aufgegriffen, umgesetzt und weiterentwickelt werden – für eine Schule, die alle stärkt und niemanden zurücklässt.
Gleichstellung, Gleichbehandlung und Diversität sind fester Bestandteil der Lehrpläne und sind durch folgende Punkten besonders hervorgehoben:
Lehrplan der Volksschule
- KOMPETENZORIENTIERUNG
- ALLGEMEINE DIDAKTISCHE GRUNDSÄTZE
- ÜBERGREIFENDE THEMEN
Lehrplan der Mittelschulen (5.-8.Schulstufe)
- ÜBERGREIFENDE THEMEN (Interkulturelle Bildung, Reflexive Geschlechterpädagogik und Gleichstellung)
- ENGLISCH (Didaktische Grundsätze-1. bis 4. Klasse)
- DEUTSCH (Didaktische Grundsätze 1. bis 4. Klasse):
- DIGITALE GRUNDBILDUNG (Didaktische Grundsätze 1. bis 4. Klasse):
- WEITERE PFLICHTGEGENSTÄNDE UND ÜBUNGEN
(RIS - Lehrpläne der Mittelschulen - Bundesrecht konsolidiert, Fassung vom 29.11.2025)
Lehrplan der allgemeinbildenden höheren Schulen
- ÜBERGREIFENDE THEMEN (Interkulturelle Bildung- Siehe Lehrplan der Mittelschule, Reflexive Geschlechterpädagogik und Gleichstellung- Siehe Lehrplan der Mittelschulen)
- LEBENDE FREMDSPRACHE (Erste, Zweite)
- BIDUNGSBEREICHE DER OBERSTUFE (Bildungsbereich Mensch und Gesellschaft)
- GESCHICHTE UND POLITISCHE BILDUNG
- INFORMATIK
Aktivitäten im Feld Gleichstellung und Diversität
Die Integration von Badges im Bereich Gleichstellung und Diversität ist entscheidend für die Umsetzung einer ganzheitlichen eEducation-Strategie an Schulen. Aktivitäten zur Förderung von Gleichstellung und Diversität sollten fest in das digitale Konzept der Schule integriert werden. eEducation unterstützt Schulen dabei durch die Möglichkeit in diesen Bereichen Aktivitäten zu setzen und Badges einzureichen.
Unterrichtsmethoden, Unterrichtsinhalte
Welche Aktivitäten können gesetzt werden?
Pädagogischen Materialien für Geschlechtergerechtigkeit in der Praxis
Geschlechtergerechtigkeit und Gleichbehandlung im Unterricht braucht praxisnahe, gut durchdachte Materialien, die Lehrkräfte im schulischen Alltag wirksam unterstützen. Auf dieser Seite stellen wir eine Auswahl an pädagogischen Ressourcen vor, die dabei helfen, stereotype Rollenbilder aufzubrechen, Vielfalt sichtbar zu machen und einen wertschätzenden Blick auf unterschiedliche Lebensrealitäten zu fördern. Die vorgestellten Materialien sind direkt einsetzbar und bieten Impulse für eine Unterrichtspraxis, die Chancengleichheit nachhaltig stärkt.
Geschlechtsneutrale Lehr- und Lernmaterialien:
Die Bedeutung geschlechtsneutraler Lehrmaterialien liegt in ihrer Fähigkeit, Geschlechterstereotype aufzubrechen und eine inklusive Lernumgebung zu schaffen. Durch die Verwendung solcher Materialien können Lehrkräfte dazu beitragen, die Vielfalt der Schülerschaft anzuerkennen und die Gleichstellung von Mädchen, Jungen und anderen Geschlechtern zu fördern.
- Überprüfung von Lehrmaterialien auf geschlechtsspezifische Stereotypen und Gewährleistung einer geschlechtsneutralen Präsentation von (technologischen) Inhalten.
- Integration von Beispielen und Fallstudien, die die Vielfalt von Frauen in der Technologiebranche hervorheben.
- Verwendung von inklusiver Sprache, um sicherzustellen, dass alle Schüler:innen sich angesprochen und ermutigt fühlen.
Projekte und Präsentationen von Schüler:innen:
- Mach es gleich
…eine Lehr- und Lernmappe für Theorie und Praxis zum Thema Gender & Schule, für die Arbeit mit Schülerinnen und Schülern ab 12 Jahren - Veranstaltung von Wettbewerben oder Ausstellungen, um kreative Arbeiten von Schülern zu Geschlechterthemen in der digitalen Welt zu präsentieren.
- „Technologiecamps“ gleichermaßen für Buben und Mädchen
- Veranstaltung von Workshops, die speziell (auf Mädchen) zugeschnitten sind und ihnen intensive Einblicke in verschiedene technologische Disziplinen bieten.
- Gründung von Coding-Clubs oder Informatikgruppen (speziell für Mädchen)
- Organisation von regelmäßigen Treffen, Workshops und Hackathons, um (Mädchen) die Möglichkeit zu geben, gemeinsam an Projekten zu arbeiten und Erfahrungen auszutauschen.
- Feiern von Erfolgen und Leistungen: Veranstaltungen oder Preisverleihungen innerhalb der Schule, um die Erfolge (von Mädchen) in technologiebasierten Aktivitäten zu würdigen, Installierung eines Schaukastens, oder „Artefakt des Monats“, Schaffung von Plattformen zur Präsentation von Projekten und zur Anerkennung von Engagement und Kreativität.
- Einrichtung von Mentoring-Programmen, bei denen erfahrene Frauen aus der Technologiebranche Schülerinnen begleiten und unterstützen, ReMent: Schüler:innen befinden sich in der Lehrendenrolle, Schaffung von Plattformen für den regelmäßigen Austausch zwischen Mentorinnen und Mentees.
Geschlechtssensible Berufsorientierung
Zur Förderung von geschlechtssensibler Berufsorientierung, um stereotype Vorstellungen über MINT- Berufe aufzubrechen und den Zugang zu verschiedenen Karrierewegen zu erleichtern.
- Rolemodels: Einbindung von weiblichen Fachleuten und erfolgreichen Frauen aus dem Technologiebereich in Schulveranstaltungen.
- Organisation von Karriere-Tagen oder Vorträgen, um Mädchen Einblicke in verschiedene Berufsfelder der Technologiebranche zu ermöglichen.
Kooperation mit Technologieunternehmen in der Region
- Kooperation mit Technologieunternehmen, um (Mädchen) Praktikums- und Hospitationsmöglichkeiten zu bieten.
- Förderung von Partnerschaften zwischen Schulen und Unternehmen im Zuge von Projekten, um den Austausch zwischen Schülerinnen und Fachleuten aus der Technologiebranche zu fördern.
Digitale Ethik und Medienkompetenz:
- Integration von Themen wie digitale Ethik, kritische Medienkompetenz und Online-Verhalten (auch in die Schulordnung/ in den Schulentwicklungsplan) um Schülerinnen und Schüler für die Auswirkungen von Geschlechterstereotypen in der digitalen Welt zu sensibilisieren.
- Entwicklung von digitalen Geschichten und Lernspielen, die Technologie auf unterhaltsame Weise präsentieren und Mädchen ermutigen, ihre Fähigkeiten zu entwickeln.
Schulentwicklung
Welche Aktivitäten können gesetzt werden?
Geschlechtsneutrale Sprache:
- Verwendung geschlechtsneutraler Sprache in der schulischen Kommunikation, um Geschlechterstereotype zu vermeiden.
- Elternbriefe
- Unterrichtsstunde
- Hompage, Flyer,…
Fortbildung für Lehrkräfte:
- Angebote zur Fortbildung von Lehrkräften im Bereich Geschlechtergerechtigkeit, um ihnen die notwendigen Werkzeuge zur Förderung eines inklusiven Unterrichts zur Verfügung zu stellen.
- Integration von Geschlechterthemen in die Lehrerfortbildungen im Bereich digitaler Bildung, um Lehrkräften die Werkzeuge zur Verfügung zu stellen, um geschlechtssensiblen Unterricht zu gestalten.
- Nutzung von Online-Ressourcen und Schulungsmaterialien, die sich speziell mit Geschlechtergerechtigkeit in der digitalen Bildung befassen.
Geschlechtssensible Schulinfrastruktur:
- Gestaltung von Schulräumen und -einrichtungen, die geschlechtssensibel sind, um beispielsweise geschlechtsspezifische Toiletten oder Umkleideräume zu vermeiden und eine inklusive Umgebung zu schaffen.
- Integration von verschiedenen Technologiebereichen wie Programmierung, Robotik, 3D-Druck oder App-Entwicklung.
Zugang zu Technologie:
- Gibt es geschlechtsspezifische Unterschiede im Umgang mit Technologie, die berücksichtigt werden müssen?
Elterninformationsveranstaltungen:
- Abhaltung von Informationsveranstaltungen für Eltern, um sie über die Bedeutung von Geschlechtergerechtigkeit in der digitalen Bildung zu informieren und ihnen Ressourcen zur Verfügung zu stellen, um ihre Kinder bei der sicheren und gleichberechtigten Nutzung digitaler Medien zu unterstützen.
- Sensibilisierung von Eltern und Lehrern für die Bedeutung der Förderung von Technologieinteressen bei Mädchen (Newsletter, Homepagebeiträge, Elternabende,…)
Gastvorträge und Expertenpanels:
- Einladen von Expert:innen auf dem Gebiet der Geschlechterforschung, digitalen Medien und Bildung, um Gastvorträge zu halten oder an Expertenpanels teilzunehmen.
- Diskussionen über aktuelle Herausforderungen und Best Practices im Bereich geschlechtssensible digitale Bildung.
Partnerschaften mit externen Organisationen:
- Zusammenarbeit mit externen Organisationen und Experten, die auf dem Gebiet der Geschlechtergerechtigkeit in der Bildung spezialisiert sind, um zusätzliche Ressourcen und Fachkenntnisse in die Schulentwicklung einzubringen.
Schulische Gremien und Ausschüsse:
- Beteiligung von Schüler:innen, Eltern und Lehrer:innen an schulischen Gremien und Ausschüssen, um sicherzustellen, dass unterschiedliche Perspektiven in Entscheidungsprozesse einfließen.
- Entwicklung und Umsetzung einer klaren Antidiskriminierungspolitik, die Diskriminierung aufgrund des Geschlechts, der Religion oder anderen kulturellen und gesellschaftlichen Aspekten aktiv bekämpft und klare Maßnahmen bei Verstößen festlegt.